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Das Ruhrtalmuseum

Kultur- und Weiterbildungsbetrieb

- KuWeBe -

Brückstraße 14

58239 Schwerte

Tel. 02304-104822

 

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Öffnungszeiten

Di. bis So. 11 bis 17 Uhr

Mo. u. ges. Feiertage geschl.

Das Alte Rathaus

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts errichteten die Bürger Schwertes ein neues Rathaus. Lange Zeit galt ein Grundstücksgeschäft im Jahre 1549 als einziger Beleg für die beginnende Baumaßnahme, bevor nunmehr ein dendrochronologisches Gutachten die Fertigstellung des Dachwerkes und damit wohl des gesamten Baukörpers in die Jahre 1548/49 setzt.

Über das Alte Rathaus

Der alter Marktplatz vom Schwerte, Anfang des 20.Jhs.
Der alter Marktplatz vom Schwerte, Anfang des 20.Jhs.

"Das Rathaus zwischen dem Markt und Kirchhof gelegen, ist ein großes von Steinen aufgeführtes Gebäude", wie der Historiker von Steinen in der Mitte des 18. Jahrhunderts schrieb. Dieser Standort des Rathauses dürfte, im 16. Jahrhundert neu und mit Bedacht ausgewählt worden sein. Eingebunden in die aus ansonsten kleinen Häuschen bestehende Randbebauung des Kirchhofes, welche auch in Schwerte noch im frühen 19. Jahrhundert Kirche und Begräbnisplatz fast ringförmig umschloß, weist das Rathaus mit seiner repräsentativen Langseite zum ursprunglichen Marktplatz Schwertes. Dieser Marktplatz stellte die nur mäßig erweiterte Kreuzung der vier zu den Stadttoren führenden Hauptstraßen der Stadt (Kleine und Große Marktstraße, Hüsing- und Brückstraße) dar.

Hier im Stadtzentrum zwischen den noch älteren Repräsentationsbauten, dem später so genutzten städtischen Weinhaus aus dem 14. Jahrhundert als bürgerlichem Festgebäude und der bis in die Zeit um 1300 zurückreichenden, im frühen 16. Jahrhundert bedeutend erweiterten Stadtkirche St. Viktor, zeugt das Rathaus bis heute von der spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Blüte Schwertes. Es ist jene Zeit, in der der Schwerter Kaufmann Harmen Pfeffer 1000 Landsknechtharnische aus örtlicher und Iserlohner Produktion an den Herzog Julius von Braunschweig verkauft und von der es knapp 200 Jahre später heißt: "Die Schwerter Panzer- und Messerfabrique war hie selbst in gutem Flor, es wurde starke Handlung in frömbte Länder damit getrieben."

Freilich endete diese Blüte bereits durch die Erfindung des Schießpulvers. Den dadurch bedingten Rückgang des Bedarfs an Panzern und Schwertern konnte die Schwerter Bürgerschaft wirtschaftlich trotz des Aufbaus einer Textilindustrie bis ins 19. Jahrhundert hinein kaum kompensieren, wie schon 1722 beschrieben wird: "Da hero die von ihren mittelen entblößete Bürgerschaft kümmerlich wieder aufbauen, andere Handarbeit anfangen, das Land bestellen, Vieh ziehen, und sich davon bis diese Stunde nähren müssen".

Das Rathaus, entstanden in der letzten vorindustriellen Blütephase Schwertes, teilte unmittelbar die Geschicke der Stadt. Der wirtschaftliche Niedergang und die politischen Veränderungen mit der Entmachtung des Rates durch die preußische rathäusliche Instruction von 1720 führten zu vielfältigen Umnutzungen und vorübergehend sogar zur Verwahrlosung des Gebäudes.

Nutzungsgeschichte

Das Alte Rathaus in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts
Das Alte Rathaus in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts

Das Rathaus Schwertes diente nach dem ökonomischen und politischen Niedergang der einst blühenden Bürgerschaft seit der Interims-Instruktion von 1720 - unter Beibehaltung seines Namens - den verschiedensten öffentlichen Zwecken. Hier war bis zu seiner Auflösung im Jahre 1753 das Gericht Schwerte untergebracht, für dessen Akten jedoch noch 1782 das Königliche Landgericht in Unna im Rathaus ein Zimmer angemietet hielt und dem seit 1813 das Land- und Stadtgericht folgte.Die offene Halle des Alten Rathauses diente als Kornwaage, Gefängnis und Spritzenhaus. Immer wieder waren Teile des Gebäudes ungenutzt, was häufige und meist wieder verworfene Umnutzungs-Überlegungen nahelegte, wie etwa den Plan der Jahre 1809-11, hier die reformierte Schule unterzubringen.

Vor allem aber wurden von hier aus natürlich über Jahrhunderte die Geschicke der Stadt bestimmt, wenngleich hierfür im 18. und 19. Jahrhundert nur wenig Fläche benötigt wurde; in französischer Zeit mußten bei Einrichtung der Mairie im Jahre 1809 166 Reichstaler "zur Anschaffung der nötigen Utensilien" für die "Stube für den Gemeinderat" angelegt und beim Schreinermeister Pferdekemper hierfür Stühle angeschafft. Als Verwaltungsgebäude mit Dienstwohnung und als Sitz der Stadtbücherei diente das nunmehr "alte" Rathaus, als nach langen, schon 1886 einsetzenden Vorüberlegungen schließlich 1914 das "neue" Rathaus fertiggestellt war.

Welcher Art die den jeweiligen Nutzungsänderungen folgenden Abänderungen der Raumstruktur waren, läßt sich nur teilweise und vor allem für die Zeit nach 1813 klären. Den heutigen Zustand am stärksten prägen das Erdgeschoß die Umnutzung zur Kornhalle Mitte des 19. Jahrhunderts und das Obergeschoß die Einrichtung zum Museum seit 1933.

Das Rathaus heute

Ein Blick in die verglaste Halle des Eingangbereiches
Ein Blick in die verglaste Halle des Eingangbereiches

Am 22.11.1997 übergab der Förderverein Ruhrtalmuseum in einem kleinen Festakt die sanierte und neugestaltete Halle des Alten Rathauses der Stadt und ihren Bürgern. Beispielhaftes war durch eine Privatinitiative geleistet worden.

Heute dient die Halle als Ort für Wechselausstellungen, Vorträge, musikalische Darbietungen sowie Ausgangspunkt für Führungen und Rallyes durch die Stadt.

Di, 28. Juni 2005

Die Schwerter "Kanonen"

Die Schwerter Kanonen (1997)
Die Schwerter Kanonen (1997)

Bis Juli 1997 standen die Schwerter Kanonen in der damals noch offenen Halle des alten Rathauses. Kurz vor Beginn der Arbeiten zur Verglasung der Halle wurden die Kanonen abmontiert und vorübergehend in einer Scheune auf dem sog. "Havergelände" untergebracht. Wenige Wochen später brannte die Scheune samt Inhalt ab. Neben den Kanonen befanden sich in der Scheune auch das Spielmobil des Jugendamts sowie die Weihnachtsbuden. Lediglich die Metallteile der Kanonen blieben erhalten, die Lafetten aus Holz wurden ein Opfer der Flammen.

 

Die Schwerter Zeitung berichtete am 24. Dezember 1934:

"Aufstellung der Schützenkanonen in der alten Rathaushalle

Am Samstag abend bewegte sich ein eigenartiger Zug vom Bahnhof her durch die Stadt zum alten Rathaus. Hätten ihn Leute gesehen, die Deutschland übel wollen, so hätten sie diese nach dem Ausland gemeldet: Die Hitlerjugend führt Kanonen mit sich! Es handelte sich aber nur um die alten Böllerkanonen unserer Schützen, die Museumsleiter Spiegel, wie schon gemeldet, ausgegraben hat. Vorn marschierte das Jungvolk, das eben von der Sonnenwendefeier gekommen war, dann kam ein Zug der Hitlerjugend, der die Schützenkanonen am Seil mit sich führte, und zum Schluß die Jungmädels vom BdM. Unter Fanfarengeschmetter wurden die alten Kanonen in der Halle des alten Rathauses aufgestellt."