"Medaglia"
Mit dem Wort "Medaglia" hat man in Italien im Mittelalter antike Münzen und andere alte, nicht mehr kursfähige Münzen bezeichnet. Heute versteht man unter Medaillen Prägungen, die aus besonderen Anlässen oder in Erinnerung an bestimmte Personen und Ereignisse ausgegeben werden und die keinen Geldwert besitzen.
Obwohl bereits die Römer aus Gedenkanlässen große Medaillons herausgaben, die an sich auch nicht für den Geldverkehr bestimmt waren, entstanden die ersten eigentlichen Medaillen in Italien erst im Jahr 1438. Diese frühen Medaillen wurden in der Regel im Metallgussverfahren hergestellt. Um die Mitte des 16. Jahrhundert wurden die ersten Medaillen auch geprägt. Medaillen sind häufig Spiegel von Kunst, Kultur und Geschichte und sind oft als künstlerisch wertvoll einzustufen.
In den Beständen des Ruhrtalmuseums befinden sich Medaillen aus den verschiedensten Bereichen und Epochen. Die frühesten Medaillen datieren aus dem 16.Jh.. Enthalten sind Medaillen, die überwiegend dem Gedenk-, Bahn- und Postwesen zuzuordnen sind. Darunter aber befinden sich auch Medaillen, die an zeitgeschichtliche Ereignisse, wie Katastrophen, Hungersnöte, Jubiläen und wissenschaftliche Errungenschaften erinnern.
Der heutige Bestand ist dem Museumsgründer, Josef Spiegel, und seiner Sammeltätigkeit zu verdanken. Aus den Eingangsbücher des Museums geht hervor, dass er durch Schenkungen, Tausch und Kauf den Bestand ausbaute.
Medaille auf die Wiedertäufer, 1534
Zu den Besonderheiten des Bestandes gehört eine Medaille auf die Wiedertäufer. Die Medaille scheint zu den Originalprägungen dieser Zeit zu gehören und nicht zu den zahlreichen Nachprägungen, die Ende des 16. und Anfang des 17.Jh. folgten. Insofern stellte sie eine Seltenheit dar.
Am 15. Februar 1533 wurde die Reformation in Münster durch Vertrag zwischen Bürgerschaft und Bischof Franz von Waldeck legalisiert. Der ursprünglich lutherisch predigende Theologe Rothmann übernahm zunehmend die Lehren der Wiedertäufer. Die Partei der Wiedertäufer gewann schließlich die Ratsmehrheit, plünderte Klöster, Kirchen und Archive, schaffte Privateigentum und Einehe ab und sorgte für Zugang von allerhand Gesindel, was zahlreiche einheimische Bürger zum Verlassen der Stadt bewog. Bischof Franz von Waldeck konnte die Stadt zunächst militärisch nicht einnehmen. Erst nach Straßenkämpfen wurde Münster am 24. Juni 1535 erobert. Die Anführer der Wiedertäuferbewegung wurden nach gescheiterten Bekehrungsversuchen am 26. Januar 1536 auf dem Marktplatz der Stadt grausam hingerichtet. Ihre Leichen wurden in eisernen Körben am Turm der Lambertikirche aufgehangen.
Die Privatpostanstalt Schwerte
Am 1.11.1887 rief Wilhelm Neuber auf Grund einer Wette die ?Privatpostanstalt? für die damals 6000 Einwohner Schwertes ins Leben. Bis 30. September 2009 ist eine Auswahle seiner Briefmarken in der aktuellen Vitrine des Museums zu sehen.
Der Krieg von 1866
Der Krieg Preußens gegen Österreich brachte für das Postwesen in den deutschen Staaten grundlegende Änderungen. Preußen übernahm auch die Posthoheit der Fürsten von Thurn und Taxis, die seit 1615 die Kaiserliche Reichspost als Lehen betrieben. Dabei erhielten die Fürsten eine Entschädigung von 3 Millionen Reichsthalern ? nicht nur für die Posthoheit, sondern auch für den umfangreichen Grundbesitz, der dem Postbetrieb diente.
In den deutschen Staaten galten unterschiedliche Bestimmungen für das Postwesen, die ein einheitliches Postgesetz erforderlich machte. Einen Kompromiss erreichte man mit dem Postgesetz von 2. November 1867. Im § 1 wurde festgehalten:
Die Beförderung
1) aller versiegelten, zugenähten oder sonst verschlossenen Briefe,
2) ...gegen Bezahlung von einem Ort mit einer Postanstalt nach anderen Orten mit einer Postanstalt des In- oder Auslandes auf andere Weise, als durch die Post, ist verboten.
Erlaubt war damit die Beförderung aller Sendungen innerhalb der Orte, die damals gerade aufkommenden Postkarten unterlagen genauso wie unverschlossene Sendungen nicht dem Postmonopol und durften auch von einem Ort zu einem anderen befördert werden
Auf Grund einer Wette
Nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 und der Gründung des Deutschen Reiches im Mai 1871 wurde das Postgesetz von 1867 revidiert und am 28. Oktober 1871 verabschiedet. Es entsprach im wesentlichen dem Gesetz von 1867. Eine regelrechte Gründungswelle von Privatpostanstalten setzte sich aber erst in der Mitte der 1880 Jahre ein. In diese Zeit gehört die Privatpostanstalt von Wilhelm Neuber in Schwerte.
An seinem Hause in der Bahnhofstrasse 21 brachte er einen Postkasten an, der zweimal täglich geleert wurde. Zweimal täglich erfolgte auch die Postverteilung durch seine Hausmagd, jeweils 8-9 Uhr und 15-16 Uhr. Bis zur Schließung am 1.6.1888 brachte er auch die entsprechenden "Privatpostmarken" heraus, welche bei der Druckerei Braus gedruckt wurden.
Das Ende der Privarpostanstalt Schwerte
Weniger als ein Jahr später schloss Neuber seine Privatpostanstalt am 1.6.1888. Doch das Sammeln von Privatpostwertzeichen war damals wie heute ein weit verbreitetes Hobby, denn in 66 anderen deutschen Städten waren ähnliche Postanstalten gegründet worden. So fanden die Briefmarken des "Postmeisters" weiterhin reißenden Absatz.
75 Jahre Ruhrtalmuseum, ein Ort der Erinnerung
Das viel beachtete Festrede zum Jubiläum des Ruhrtalmuseums von Prof. Dr. Wilfried Reininghaus im Oktober 2008 ist nun in einer erweiterten Druckfassung erschienen. Mit dem Titel "75 Jahre Ruhrtalmuseum, Ein Ort der Erinnerung" werden auf über 40 Seiten die Geschichte des Ruhrtalmuseums und seines Gründers, Josef Spiegel, nach gezeichnet. Das Heft enthält zahlreiche Abbildungen, von denen einige, die aus dem Nachlass Josef Spiegel stammen, zum ersten Mal veröffentlicht werden. Prof. Dr. Reininghaus erläutert in seinen Ausführungen die Hintergründe der späten Museumsgründung 1933 und das Werdegang des Museums und seines Leiters durch die nationalsozialistischen Zeit und die Nachkriegszeit bis 1977. Das Heft ist in einer Auflagenhöhe von 200 erschienen und erhältlich im Museum während der üblichen Öffnungszeiten (Di.-So. 11-17 Uhr) für 4,- Euro.
The World Of Autographs
Lothar A. Baltrusch stellt aus.
Ausstellung vom 12. Juni bis 5. Juli in der Halle des Ruhrtalmuseums
Prominente, bekannte Gesichter aus vielen Jahren, die uns alle im Fernsehen, im Radio oder in der Zeitung begleitet haben und es aktuell noch tun, sind sein Steckenpferd. Seit den 70-er Jahren (sein erstes Autogramm war von Michael Holm) sammelt, ordnet, pflegt, tauscht und (selten) verkauft Baltrusch die mittlerweile wertvollen Schriftzüge der Künstler, egal ob sogenannter A- oder B-Promi.
Unterschriften sagen viel über den Menschen aus, den Charakter, Zuverlässigkeit, Lebensfreude, eben die eigenhändig geschriebene Linie der Person.
Egal ob der erste Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer, Sir Peter Ustinov, Papst Johannes Paul II, der erste Mann auf dem Mond Neil Armstrong, Marlon Brando, Elvis Presley, Pink, die jüngste Überlebende der Titanic Millvina Dean, Karl Lagerfeld, Marilyn Monroe (für 2 Euro auf dem Flohmarkt erstanden!!!), alle werden erstmals in seiner Wahlheimatstadt Schwerte in der Ausstellung "The World Of Autographs" im Schwerter Ruhrtalmuseum zu sehen sein. Bis zum 05.07.2009 gibt es rund 120 Exponate aus der mittlerweile 3.500 Unterschriften großen Privatsammlung. Und die Geschichten hinter jeder einzelnen Signatur wird Lothar A Baltrusch mindestens 1 x in der Woche Interessierten erzählen. Zum Beispiel bekam er "Post aus dem Jenseits". Wochen nach dem Tod von Starfotograf Helmut Newton in LA, kam Post aus Monaco - über seine Privatadresse!
"Der Zopf ist ab"
Eine Publikation zur Konfirmation, Lebensgeschichte in Bildern, Interviews und Dokumenten
Der Zopf ist ab - das steht als Symbol für den Übergang vom Kind zum Erwachsenen und damit auch für die Konfirmation als Fest, das diesen Einschnitt lange Zeit dokumentierte.
Das Buch zeigt zunächst anhand historischer Quellen auf, wie sich die Familienfeier im 19. Jahrhundert etablierte und weiter entwickelte.
Dann geben fünfzig Interviews von Zeitzeugen, die von 1934 bis 1983 konfirmiert wurden, Auskunft über die Bedeutung des Festes für die persönliche Lebensgeschichte. Auch Zeitgeschichte wird dabei lebendig. Besonders interessant sind Schilderungen von Feiern während der Zeit des Nationalsozialismus. Der Aufbruch in die Moderne in den 50er und 60er Jahren - das zeigen weitere Fotos und Erinnerungen - zog das Abschneiden alter Zöpfe bei der eigenen Lebensplanung nach sich. Ein Besuch bei Konfirmanden des Jahres 2008 gibt Auskunft über die Frage, wie sich der Konfirmandenunterricht und die Anforderungen an das Erwachsenwerden gewandelt haben.
Das Projekt wurde 2006 durch eine Ausstellung des Ruhrtalmuseums zum Thema Konfirmation angeregt. Die Autorin Christine Schönebeck ist freiberufliche Volkskundlerin und Mitinitiatorin der Ausstellung.
Schönebeck, Christine: Der Zopf ist ab. Konfirmation und Lebensgeschichten in Bildern, Interviews und Dokumenten. Hrsg. Das Ruhrtalmuseum, Prowiss-Verlag Gladbeck, 2008. ISBN-13 978-3-9810287-3-4
Das Buch ist über das Ruhrtalmuseum für 16 Euro plus Porto erhältlich.






















